von Peter Weichhart

Mythen, Metaphern und Stereotype erleichtern uns zweifellos das Leben. Sie reduzieren Komplexität, lassen Zusammenhänge und Probleme als klar verständlich erscheinen, entheben uns der Notwendigkeit kritischer Reflexionen und bringen auf den Punkt, was wir ohnehin schon immer gewusst haben, aber so direkt nicht sagen konnten. Sie haben die Wirkung überzeugender Argumente, obwohl sie nicht argumentieren. Sie produzieren und suggerieren gleichsam Evidenz und haben damit eine Art ikonische Wirkung, denn sie sind das, worauf sie verweisen.

Das Reden von der Geographie als „Brückenfach“, „Schnittstellenfach“ oder als „integrierende Disziplin“ gehört für mich zu den geistesgeschichtlich wie fachpolitisch besonders wirksamen Metaphern, weil es ein sehr komplexes und schwieriges Problem auf eine geradezu geniale Weise vereinfacht und mit der implizit präsentierten Problemlösung für den disziplinär sozialisierten Rezipienten eine hohe Evidenz evoziert. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass die Rede vom „Brückenfach“ und die damit verknüpften Implikationen genau jenes Problem eigentlich erst produziert, das durch das dahinter stehende Gedankengebäude gelöst werden sollte.

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